Romane

Du musst mich vergessen von Rosie Walsh – [Rezension]

Manchmal sollte man ein Buch eben doch nicht nach seinem Cover beurteilen.

Bei „Du musst mich vergessen“ von Rosie Walsh wäre mir genau das nämlich beinahe passiert. Cover und Titel haben bei mir ziemlich zuverlässig die Schublade „netter Wohlfühlroman für zwischendurch“ geöffnet. Ihr wisst schon: ein bisschen Liebe, ein bisschen Herzschmerz, am Ende wird vermutlich alles gut. Nicht unbedingt ein Buch, nach dem ich normalerweise greifen würde.

Trotzdem ist mir der Roman in letzter Zeit immer wieder begegnet. Also habe ich ihn schließlich in der Bibliothek vorbestellt und mit in den Urlaub genommen – ohne große Erwartungen.

Und was soll ich sagen: Ich war komplett überrascht.

Eine Hochzeit und keine 24 Stunden später ist alles vorbei

Im Mittelpunkt steht Carrie, eine junge britische Ärztin, die sich noch in ihrer Ausbildung zur Chirurgin befindet. Sie lernt den Schweden Johan kennen, die beiden verlieben sich, reisen gemeinsam nach Thailand – und heiraten dort, obwohl sie sich erst sehr kurz kennen.

Was schon nach einer ziemlich impulsiven Liebesgeschichte klingt, nimmt allerdings sehr schnell eine vollkommen andere Wendung.

Nicht einmal 24 Stunden nach der Hochzeit wird Johan von einem Einsatzkommando verhaftet und verschwindet aus Carries Leben.

Was ist passiert? Wer ist dieser Mann wirklich? Und stimmt das, was ihm vorgeworfen wird?

Genau an diesem Punkt verwandelt sich das Buch von einer Liebesgeschichte in etwas ganz anderes.

Schicht für Schicht

Rosie Walsh erzählt Carries Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen und enthüllt dabei nur sehr langsam, was damals wirklich passiert ist.

Und mit sehr langsam meine ich tatsächlich sehr langsam.

Zwischendurch hätte ich die Autorin am liebsten selbst geschnappt und ihr gesagt: Nun erzähl doch endlich!

Aber genau das funktioniert erstaunlich gut. Denn natürlich wollte ich unbedingt wissen, ob meine Vermutung stimmt. Kaum glaubt man, die Zusammenhänge endlich verstanden zu haben, verschiebt Walsh wieder ein kleines Puzzleteil – und plötzlich sieht alles ganz anders aus.

Das passiert nicht nur einmal.

„Du musst mich vergessen“ ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und Thriller, und gerade diese Kombination hat für mich hervorragend funktioniert. Es gibt immer wieder neue Wendungen, ohne dass die Geschichte dabei konstruiert wirkt. 

Mehrmals dachte ich: Ah, okay, jetzt weiß ich, wie das Ganze gelaufen ist. Turnsout: Nein – Wusste ich nicht.

Und insbesondere eine der letzten Wendungen habe ich tatsächlich überhaupt nicht kommen sehen.

Fast zu langsam – und gerade deshalb so spannend

Wenn ich überhaupt etwas kritisieren müsste, dann wäre es das Tempo, mit dem einige Dinge enthüllt werden. Stellenweise war mir das beinahe zu quälend langsam.

Gleichzeitig ist genau das vermutlich einer der Gründe, weshalb ich so schnell durch die fast 500 Seiten gelesen habe.

Ich wollte es einfach wissen.

Die Kapitel sind teilweise recht lang, aber das hat mich überhaupt nicht gestört. Der Roman liest sich unglaublich flüssig und entwickelt einen Sog, dem ich mich irgendwann kaum noch entziehen konnte.

Und das ausgerechnet bei einem Buch, bei dem ich vor dem Lesen noch dachte: Ach, das ist bestimmt ganz nett für den Urlaub.

Ein kleiner Tipp am Rande

Übrigens war „Du musst mich vergessen“ eines der Bücher, die ich mir aus unserer Stadtbibliothek ausgeliehen habe. Ich bin in letzter Zeit wieder viel mehr dazu übergegangen, Bücher vorzubestellen und dort abzuholen.

Wer viel liest, sollte das wirklich einmal ausprobieren. Bei uns kostet der Bibliotheksausweis gerade einmal 25 Euro im Jahr. Ich bestelle die Bücher online vor, hole sie ab und bin meistens nach zwei Minuten wieder draußen.

Angesichts der Menge an Büchern, die bei mir übers Jahr zusammenkommt, spart das tatsächlich eine Menge Geld – und meinen Bücherregalen und meiner Beziehung tut es auch gut 😉 (Mein Freund hat mir zwischenzeitlich nämlich Buchkaufverbot erteilt, damit unser Haus nicht aus allen Nähten platzt)

Mein Fazit

Ich bin ohne große Erwartungen an „Du musst mich vergessen“ herangegangen – und vielleicht hat mich das Buch gerade deshalb so erwischt.

Eine Liebesgeschichte, ja. Aber eben nicht nur. Dazu kommen Spannung, Geheimnisse, ein beinahe thrillerartiger Aufbau und immer wieder Wendungen, die meine bisherigen Vermutungen über den Haufen geworfen haben.

Dass das Buch aktuell als Bestseller geführt wird, überrascht mich nach der Lektüre überhaupt nicht.

Chapeau, Rosie Walsh. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Und vermutlich ist das eines der schönsten Komplimente, die ich einem Buch machen kann.

Mehr zum Buch

„Du musst mich vergessen“ ist im April  im Goldmannverlag erschienen und kostet als Paperback EUR 16,00 – link zum Buch

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