Romane

Delphine de Vigan – Die Kinder sind Könige [Rezension]

Delphine de Vigan ist- neben Carlos Záfon – eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen.

Ihr Roman „Loyalitäten“ ist eines meiner Alltime-Favorite Bücher. Falls ihr es noch nicht gelesen habt, unbedingt nachholen!! Aber auch ihre anderen Romane sind einfach wunderbar. Deshalb hatte ich sehr hohe Erwartungen an „die Kinder sind Könige“

Ich muss zugeben, mit diesem Roman hatte ich einige Schwierigkeiten. Thematisch finde ich ihn aber sehr wichtig. Das Thema „Kinderinfluencer“ bzw. „Familienblogger“ und die rechtlichen Konsequenzen wird in Deutschland leider viel zu wenig thematisiert.

Inhalt

In dem Roman begleiten wir Mélanie und ihre Familie einerseits, sowie eine ermittelnde Beamtin, Clara, andererseits. Mélanie, die kurz davor war in einem „Big Brother“ ähnlichen Crash-TV Format groß herauszukommen, hat eine neue Möglichkeit entdeckt, berühmt zu werden: Ihre Kinder. Als eine der ersten in Frankreich zieht sie nach amerikanischen Vorbild einen „Familienblog“ namens Happy Récré bei YouTube hoch, in dessen Mittelpunkt ihre beiden Kinder, Kimmy und Sam, stehen. Doch eines Tages verschwindet Kimmy spurlos nachdem sie mit andern Kindern Verstecken gespielt hat. Hier kommt die zweite Perspektive des Buches ins Spiel, die Ermittlern Clara. Clara ist diese Welt der Influencer und Familenblogger gänzlich unbekannt und sie hat merklich Schwierigkeiten mit dem Fall des vermissten Mädchens. Eine weitere Erzählperspektive sind Polizeiprotokolle und Abschriften von Befragungen.

Meine Meinung

Ich muss zugeben, auch wenn ich täglich auf Instagram und YouTube unterwegs bin, diese Welt der Familienblogs war für mich neu. Da ich früh Mutter geworden bin und inzwischen erwachsene Töchter habe, bin ich mit dieser Welt (glücklicherweise) nie in Berührung gekommen.

Delphine de Vigan zeigt in ihrem aktuellen Roman einen Blick hinter die Kulissen dieses Business. Denn nichts anderes sind diese VBlogs und Instagramaccounts. Ein knallhartes Geschäft und die Leidtragenden sind leider meist die Kinder. De Virgain hat bei diesem Roman die Form eines Kriminalromans gewählt, ein Genre, welches Sie immer gereizt hat, sie aber bisher noch nicht ausprobiert hat. Die Geschichte wird abwechselnd aus Mélanie und Claras Perspektive erzählt

Ich habe mich mit diesem Roman sehr schwer getan, thematisch ist das Thema wichtig und aktuell und leider viel zu wenig beachtet. Doch die Erzählung an sich hat mich enttäuscht. Das, was meiner Meinung nach die Romane von Delphine de Vigan ausmacht, fehlt mir hier völlig. Alle ihre Romane haben mich immer tief berührt, bei diesem Buch war das leider nicht der Fall. Ich habe das Buch sogar immer wieder zur Seite gelegt, weil es mich einfach nicht „gecatcht“ hat. Auch mit den Protagonisten hatte ich meine Schwierigkeiten, Mélanie konnte ich irgendwie nicht richtig greifen, sie wirkte nicht authentisch. Auf die Perspektive von Clara, der Ermittlerin, hätte ich ganz verzichten können. Sie hat meinem Empfinden nach nichts Wichtiges zu der Geschichte beigetragen. Hier hätten die Auszüge der Protokolle völlig ausgereicht.

Vielleicht wäre es interessant gewesen, Bruno, den Ehemann von Mélanie, zu Wort kommen zu lassen. Er ist in dem Roman eine Randfigur, deren Stimme aber interessant gewesen wäre.

Der letzte Abschnitt des Romans widmet sich einem Blick in die Zukunft und spielt im Jahr 2031. Die einstigen Kinderstars sind erwachsen geworden und hier zeigen sich nochmal deutlich die Folgen ihrer Kindheit vor der Kamera.

Fazit

Ein Fazit fällt mir diesmal richtig schwer. Einerseits finde ich die Thematik dieses Buches sehr richtig und wichtig.

Andererseits bin ich enttäuscht, weil alle anderen Romane mich so sehr begeistert haben und mir hier das gewisse Etwas und das „typisch Vigan“ einfach fehlte.

Wer noch keine Romane der Schriftstellerin kennt, der wird vielleicht von dem Buch begeistert sein. Ich wünsche mir, dass es von vielen LeserInnen gelesen wird, die Botschaft ist wirklich wichtig! Aber de Vigan kann es wirklich besser und hier ist das Potential nicht ausgeschöpftworden. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Autorin diese Welt der Videoblogs, Instagram etc. unbekannt ist. Für mich las sich das Buch eher wie ein Tatsachenbericht.

Mein Lesetipp für einen – auch gesellschaftskritischen – Roman von Delphine de Vigan ist „Loyalitäten“ – eines meiner absoluten Herzenbücher und ein musst-read!

Mehr zum Buch

„Die Kinder sind Könige“ ist im März 2022 im Dumont Verlag erschienen. Es hat 317 Seiten und kostet als gebundenes Buch EUR 23,00 – link zum Buch bei Genialokal

Mehr zum Thema Kinderinfluencer, Familienblogs oder Mommyblogs

Auf das Thema „Kinder als Influencer“ kam Delphine de Virgan durch ein neues Gesetz welches im Jahr 2020 in Frankreich verabschiedet wurde. Dieses Gesetz weitet die Regeln zum Schutz der Kinder aus und schreibt beispielsweise Unternehmen vor, dass sie die Einwilligung der lokalen Behörden benötigen sobald Kinderinfluencer eingesetzt werden. Das Geld welches die Kinder verdienen muss auf einem Treuhandkonto verwahrt werden, ebenso wird ein „Recht auf Vergessen“ der „Jungstars“ verankert, laut welchem Ihnen einen jahrzehntelang währenden Anspruch auf Löschung ihrer Bilder, Videos garantiert.

Das klingt doch alles normal und wird sowieso so gehandhabt? Nein, eben leider nicht! Ich habe mich etwas informiert und war erschreckt, wie verbreitet auch hier in Deutschland Videos sind, in denen Kinder oder Babys im Mittelpunkt stehen. Dies ist auch in Deutschland in dieser Form nicht erlaubt, denn auch hier greifen die Persönlichkeitsrechte und der Datenschutz gegen die hunderte von Mütter und Väter verstoßen, in dem sie ihre Kinder und ihre privaten Räume der Öffentlichkeit präsentieren. Einen sehr informativen Artikel mit etlichen Videos habe ich bei Netzpolitik.org gefunden – ich verlinke diesen Artikel hier für Euch*.

Kinderarbeit?

Besonders die Videobeiträge sind wirklich erschreckend und zeigen sehr deutlich, wie fahrlässig hier Eltern mit den Rechten ihrer Kinder umgehen. Ein weiterer erschreckender Aspekt ist die Zwickmühle in der sich die Kinder befinden.

Ihre „Auftraggeber“ sind meistens Mama oder Papa (die übrigens sehr gut Geld damit verdienen) und diese will man ja nicht verärgern. Deshalb können sich die Kinder nicht richtig wehren, bzw. befinden sich in einem moralischen Konflikt, wenn sie lieber mit Freunden spielen wollen, anstatt mit Mama Videos für YouTube oder Instagram zu drehen.
Das ist nichts anderes als Kinderarbeit und diese ist in unseren Gesetzen sehr streng reglementiert. Aber auf YouTube und Instagram wird anscheinend sowohl von den Betreibern als auch von den Behörden (die eventuell auch keine Kenntnis davon haben) darüber großzügig hinweg gesehen. Zudem kommt der psychische Druck auf die Kinder, erfolgreich zu sein, likes zu bekommen, ihre Eltern nicht zu enttäuschen usw.

Durch die Beschäftigung mit diesem Thema habe ich viel dazu gelernt und war ehrlich gesagt ziemlich schockiert.

Bitte nehmt Euch die Zeit und schaut den Artikel von Netzpolitik.org an und prüft, ob ihr selber einem Influencer folgt, der oder die die Rechte ihrer Kinder missachtet.

Ausgespart habe ich mit Absicht das Thema, ob es gefährlich ist, Kinder im Badeanzug oder leicht bekleidet zu zeigen. Ich finde dieses Thema kann man sich mit etwas gesundem Menschenverstand selbst beantworten.

Ein weiterer Buchtipp zu diesem Thema ist ein Psychothriller der letztes Jahr erschienen ist:

„Like / Hate“* – eine Rezension zum (Hör)Buch folgt bald.

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