Romane

Kate Elizabeth Russel – Meine dunkle Vanessa [Rezension]

An diesem Buch ist man in der „Buchblog-Blase“ letztes Jahr kaum vorbei gekommen. Gefühlt jeden Tag ist es in meinem Instagram-Feed aufgetaucht. Trotzdem hat es fast genau ein Jahr gedauert, bis auch ich das Buch auch gelesen habe.

Inhalt / Klappentext

Vanessa ist gerade fünfzehn, als sie das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer schläft. Jacob Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht. Und Vanessa ist sich sicher: Es ist Liebe. Alles geschieht mit ihrem Einverständnis. Fast zwanzig Jahre später wird Strane von einer anderen ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Taylor kontaktiert Vanessa und bittet sie um Unterstützung. Das zwingt Vanessa zu einer erbarmungslosen Entscheidung: Stillschweigen bewahren oder ihrer Beziehung zu Strane auf den Grund gehen. Doch kann es ihr wirklich gelingen, ihre eigene Geschichte umzudeuten – war auch sie nur Stranes Opfer?

Meine Meinung

Ich muss zugeben, der Einstieg in das Buch ist mir etwas schwergefallen. Nachdem ich letztes Jahr die ersten Seiten gelesen habe, kam es erst einmal auf den Stapel „später irgendwann lesen“.

Vanessa, die Protagonisten war mir einfach unsympathisch und etwas in mir sträubte sich, das Buch weiter zu lesen.

Vor kurzem habe ich dann bei Bookbeat die englische Hörbuchfassung gefunden, und über dieses ist mir dann auch der Einstieg in das Buch gelungen. Die ersten Kapitel habe ich gehört, danach bin ich wieder zum klassischen Buch (in der deutschen Fassung) übergegangen.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen 2017 (heute) und 2000/2001 und wird von Vanessa erzählt. Vanessa macht nichts aus ihrem Leben, lebt von Hilfsjobs, trinkt zuviel, nimmt Drogen und lässt sich treiben. Sie ist Anfang 30 und arbeitet gerade als Concierge in einem Hotel. Als eine ehemalige Schülerin Jacob Strand wegen sexuellen Missbrauchs anzeigt und auch die Presse darauf aufmerksam wird, sieht sich Vanessa gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit und damit auch mit ihrem Verhältnis zu dem ehemalige Englischlehrer auseinander zusetzen.

Doch bei Vanessa war doch damals alles ganz anders, oder?

Für Vanessa war der damals 42 jährige Jacob Strane immer ihre große Liebe. Aber war es wirklich Liebe oder doch nur subtile und perfide Manipulation, die der Englischlehrer an seiner Schutzbefohlenen vornahm?

Verteidigt Vanessa zu Beginn des Romans vehement ihre große Liebe, so ändert sich die Tonart im Laufe der Geschichte. In den Rückblicken ist es teils wirklich schmerzhaft zu lesen und schwer zu ertragen, was Vanessa erleben muss und wie das bis heute noch Einfluss auf ihr Leben hat.

„Meine dunkle Vanessa“ wird teilweise als moderne Fassung von Nabokovs „Lolita“ bezeichnet. Im Buch wird auch immer wieder Bezug auf „Lolita“genommen. Der Roman zeigt sehr deutlich auf, wie beeinflussbar Teenager sind und wie prägend toxische Beziehungen für ein ganzes Leben sein können.

Zwei Zitate von Vanessa sind mir besonders im Gedächtnis geblieben und spiegeln die innere Zerrissenheit von Vanessa wider:

Denn wenn es keine Liebesgeschichte ist, was ist es dann?“ (S. 384)

„Nein, nicht nur ein Teil“ sage ich „Alles, was ich bin. Weil ales von mir sich auf ihn zurückführt. Wenn ich das Gift herausschneide, bleibt nichts übrig.“ (S. 433)

Das Buch ist wirklich teilweise schwierig zu lesen und zu ertragen, und obwohl ich kein Verfechter der Triggerwarnung auf Büchern bin, dieses Buch benötigt dringend eine solche!

Es ist ein fiktiver Roman, der aber jederzeit überall auf der Welt genauso geschehen kann!

Fazit

Das Buch ist schwere Kost und oft schwer zu ertragen, aber trotzdem oder gerade deshalb eine große Leseempfehlung von mir! Ein wichtiges Buch, denn „Meine dunkle Vanessa“ hilft Außenstehenden zu verstehen, wie dramatisch prägend Missbrauch für die Überlebenden ist.

Mehr zum Buch

Das Buch ist im August 202 im C. Bertelsmann Verlag erschienen und hat 446 Seiten. Als gebundene Ausgabe kostet es EUR 20,00 – link zum Buch bei Genialokal

weitere Bloggerstimmen zum Buch

Pressestimmen zum Buch

»Ein eindringlicher, wirklich unvergesslicher, tiefer Roman mit einem irrsinnigen erzählerischen Sog (…)« ― Vea Kaiser, ZDF „Literarisches Quartett“

»Ohne plump oder vordergründig zu werden, zeigt Russell, wie sehr das Lolita-Motiv die Popkultur geprägt hat.«Der Spiegel (29. August 2020)

»›Meine dunkle Vanessa‹ ist harte Kost und große Literatur. Ein sehr komplexer, tiefgehender und überzeugender Roman.«BR 5, Neues vom Buchmarkt, Roana Brogsitter (16. September 2020)

»Kate Elizabeth Russell fängt die überwältigenden Gefühle in ihrem Debüt verstörend gut ein. Und genauso die zerstörerische Macht. (…) Russell bringt eine neue Perspektive in die #MeToo-Debatte«Emotion (02. September 2020)

»Beklemmend gut«Donna (02. September 2020)

Ein Kommentar

  • Buchperlenblog

    Guten Morgen!
    Das Buch hatte ich bei Erscheinen auch direkt auf dem Schirm, dann haben es so viele gelesen unfld ich stattdessen verdrängt. Dank deiner Rezension habe ich nun aber wieder viel Lust auf dieses Buch mit seinem fatalen Thema bekommen, danke dafür!

    Alles Liebe!
    Gabriela

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