Romane

Megan Hunter – Die Harpyie [Rezension]

Dieses Buch ist schon von außen ein absoluter Hingucker – das Coverbild ist genial. Aber nicht nur das Cover ist beeindruckend, auch der – vergleichsweise schmale – Roman hat es in sich.

Inhalt

Als Lucy erfährt, dass ihr Ehemann Jake sie betrügt, soll eine verhängnisvolle Abmachung die Ehe retten: Drei Mal darf Lucy Jake bestrafen. Wann und auf welche Weise, entscheidet sie. Ein gefährliches Spiel zwischen Rache und Vergebung entbrennt – und schließlich erwacht eine Seite in Lucy, die schon immer tief in ihr geschlummert hat. Bildreich und sprachmächtig erzählt Megan Hunter ein atemberaubendes, dunkles Märchen über eine Verwandlung, aus der es kein Zurück mehr gibt.

Meine Meinung

Die Ausgangssituation des Buches ist (leider) eine nicht unübliche. Ein Paar mit zwei Kindern, die hat Frau ihre Karriere zurückgestellt, der Alltag des Paares ist nicht mehr wie früher und dann passiert es: Er betrügt Sie. Da ich mich auch schon einmal in dieser Situation befunden habe, aber nicht nur deshalb, hat mich die Geschichte von Lucy und Jake sehr interessiert.
Als „Wiedergutmachung“ für den Betrug, treffen diese Beiden dann eine ungewöhnliche Vereinbarung. Lucy darf Jake drei Mal bestrafen darf, frei nach ihrer Wahl und ohne Vorwarnung. Schon diese „Abmachung“ finde ich ziemlich seltsam. Beim Lesen der ersten Seiten merkt man schnell, dass dies nicht das einzige ist, das an der Geschichte ungewöhnlich ist.

In den kursiv eingeschobenen kurzen Absätzen lernen wir das Innere von Lucy kennen, in diesen offenbart sie ihre Gedanken. Seit ihrer Kindheit ist sie fasziniert von der Figur der Harpyie. Die psychisch instabile Lucy verschmilzt in ihren Gedanken immer mehr mit der Figur der Harpyie. Deshalb musste ich beim Lesen auch meine eigenen Erfahrungen und Überlegungen beiseite stellen, um mich auf die düstere (Gedanken)Welt von Lucy einzulassen. Hier gleicht das Buch einem modernen, aber sehr dramatischen und dunklem Märchen.

Die Geschichte von Lucy und Jake wird langsam erzählt, teilweise fast quälend langsam. Dadurch leidet man als Leser mit Lucy mit die versucht, die gesellschaftlichen Verpflichtungen und die Illusion einer perfekten Welt aufrechtzuerhalten. Wer allerdings einen feministischen Roman erwartet, der wird von dem Roman enttäuscht sein.

Genau auf den Punkt erzählt Megan Hunter Lucy’s Kampf gegen ihre Dämonen, die sie teils seit ihrer Kindheit begleiten. Der Betrug ihres Mannes war lediglich der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Besonders beeindruckend fand ich den Erzählstil von Megan Hunter. Die einerseits knappe und fast sachliche, dann aber doch wieder hochemotionale Erzählung hat mir sehr gut gefallen.

Fazit

Ein düsterer Roman über das Scheitern und ein interessante, düsteres und teilweise fast mysthisches Psychogramm! Allerdings ist es auch ein nicht einfach zu lesendes und emotional aufwühlendes Buch. Ich hatte danach definitiv erst einmal Redebedarf. Besonders das Ende hat viele Fragen aufgeworfen. Sprachlich und literarisch ist das Buch ein Hochgenuss!

Mehr zum Buch

Die Harpyie ist im April 2021 im C.H. Beck Verlag erschienen. Das Buch hat 229 Seiten und kostet als gebundene Ausgabe EUR 22,00 – link zum Buch bei Genialokal

3 Kommentare

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

UA-172417122-1
%d Bloggern gefällt das: